„Ich lebe viel bewusster, genieße mehr“

Schon vor 20 Jahren hatte Martina erste Beschwerden – Schmerzen im ganzen Körper, Verlust von Geschmacks- und Geruchssinns. Doch erst nach einer Arztodyssee zehn Jahre später stand endlich eine Diagnose fest: Morbus Parkinson. „Ich war richtig erleichtert, endlich zu wissen, was ich habe!“ Die heute 55-jährige lässt sich die Lebensfreude nicht nehmen. Sie macht aus allem das Beste: „Ich habe einen tollen Freundeskreis, eine schöne Wohnung, bin kreativ und gehe wann immer möglich unter Leute!“

„Jeder Parkinson ist anders"

Durch das Absterben von Dopamin-produzierenden Gehirnzellen kommt es zu motorischen Problemen, z.B. Muskelzittern und -starre, Verlangsamung bis zur Bewegungslosigkeit und Haltungsschäden. Martina erklärt: „Mein Parkinson zeichnet sich vor allem durch Verlangsamung und Steifheit aus. Wenn das Medikament nachlässt, werde ich immer langsamer. Wie ein Auto, dem das Benzin ausgeht.“ Ihre Freundinnen, mit denen sie oft unterwegs ist, wissen daher Bescheid und können ihr helfen: „Klar stundenlang wandern kann ich heute nicht mehr, aber dafür gehe ich jetzt oft Spazieren.“

„Man verliert einiges, aber gewinnt auch viel“

Martinas früheres Pensum – Arbeit im Öffentlichen Dienst, zwei Töchter und ein Pflegekind, in der Freizeit dem selbstständigen Mann noch im Büro zu helfen und neben eigenen Katzen noch eine Katzenpension zu führen – war zu viel. Ihre Ehe scheiterte kurz nach der Diagnose nach 25 Jahren, seit 2008 ist sie in Frührente. Zu Ex-Mann und Töchtern hat sie ein gutes Verhältnis: „In Kürze werde ich das zweite Mal Oma, darauf freue ich mich sehr!“

„Ich bin ein durch und durch positiver Mensch!“

Seit 2009 lebt Martina allein und ist vorsichtshalber in eine behindertengerechte Wohnung gezogen; ebenerdig und mit einem Notsystem ausgestattet – aber sehr schön: mit einer kleinen Terrasse und einem Garten, in dem sie die Natur genießt. Ihre Erkenntnis: „Es hat alles etwas Positives: Man sieht das Leben anders, man genießt mehr. Man schätzt die Tage, an denen es einem gut geht, ganz anders als früher.“

„Ich gehe gerne raus, unter Leute“

Oft verändert sich mit einer Diagnose das soziale Umfeld – auch zum Positiven: „Früher hatte ich zwar gute Bekannte, aber keine echten Freundinnen. Das hat sich mit der Krankheit geändert“, stellt die 55-jährige aus Kaiserslautern lachend fest. „Ich vergrabe mich nicht, verreise gern und bin viel mit Freundinnen unterwegs: Ausflüge, Busfahrten, Theaterbesuche. Und ich treffe mich auch mit Männern. Vielleicht ist ja irgendwann mal der Richtige darunter!“

„Beim Malen bin ich im Hier und Jetzt“

Vor sieben Jahren ist Martina in einer Klinik über die Kunsttherapie zum Malen gekommen, hatte bereits eine erste Vernissage in der Praxis ihrer Ergo-Therapeutin. Sie malt meistens in Acryl, oft gegenständlich – Gesichter, Gebäude, Landschaften. Aber auch „Seelenbilder“: „Ich male dann einfach drauflos, es kommt immer was dabei raus.“ Ihr Traum: „Irgendwann eine weitere Ausstellung mit meinen Bildern wäre toll!“

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