„Man muss annehmen und loslassen“

Auch bei Margit dauerte es, bis bei ihr Parkinson erkannt wurde. Schon 2008 hatte sie gravierende gesundheitliche Probleme, erst ein Jahr später konnte die Behandlung beginnen. „Eine schwere Zeit: Renten- und Krankenversicherung stritten sich über Zuständigkeit, ich musste ein Jahr ohne Zahlungen überbrücken.“ Doch die inzwischen 55-jährige hat ihr Leben seitdem umgekrempelt: Sie ist vor drei Jahren 380 Kilometer weit weg gezogen, baut gerade ein Haus und genießt ihr neues Leben: „Parkinson ist ein Partner, den man nehmen muss, wie er ist. Es geht viel ums Annehmen – und auch darum loszulassen, was einem nicht gut tut.“

„Stress mag Parkinson besonders“

Als Medizinisch-technische Assistentin hat Margit im Krankenhaus gearbeitet, oft in Nachtschicht. Seit 2011 ist sie in Frührente, ein Eingliederungsversuch als Schülerbetreuerin im letzten Jahr hat sie abgebrochen: „Das ging nicht, war Stress pur. Man macht sich, wenn man gesund ist, viel zu wenig bewusst, wie extrem Stress auf den Körper wirkt.“ Sie hat jetzt endgültig den Schritt aus dem Hamsterrad gemacht: „Mein Leben ist geregelter, ich habe ein Rentnerfeeling, das mir sehr gut tut und das ich mir erhalten werde.“

„Ich nehme mir mehr Zeit für mich“

Ami, ein Chihuahua-Jack-Russel-Mix, hält Margit auf Trab: „Sie sieht zwar aus wie ein Chihuahua, drin steckt aber ein echter Jack Russel“, lacht die 55-jährige. Das regelmäßige Gassi-gehen genießt sie sehr. Neu für sich entdeckt hat Margit spontanes Reisen. Früher ist sie immer nur gezielt und geplant in den Urlaub gefahren, jetzt begleitet sie oft ganz spontan ihren Lebensgefährten, wenn er beruflich unterwegs ist, war so schon in Berlin, Stockholm, Österreich …

„Alles zu seiner Zeit“

Margit hat viele Hobbys – Basteln, Yoga, afrikanisches Trommeln, Weidenflechten, Lesen und natürlich mit Ami Gassi-gehen. Einiges liegt im Moment auf Eis: „Durch den Umzug ist leider vieles eingeschlafen. Bislang habe ich noch keinen passenden Yoga-Kurs und keinen Lehrer fürs Trommeln gefunden. Und der Haubau kostet natürlich viel Zeit. Ich bin aber geduldig und sicher, dass sich alles finden wird.“

„Die eigenen Grenzen erkennen“

Seit der Diagnose stellt Margit alles auf den Prüfstand: „Nicht immer tun einem das Leben, das man führt, der Ort, an dem man lebt, die Menschen, die einen umgeben, gut.“ Durch den Umzug – in die Nähe ihrer Klinik – geht es ihr besser: Das Klima ist beständig, sie hat seltener Kreislaufbeschwerden, die Menschen sind freundlich und auch zu Teilen ihres Familien- und Freundeskreises, den sie zurückgelassen hat, hat sich das Verhältnis gebessert. Ihr 19-jähriger Sohn geht noch zur Schule, lebt beim Vater: „Ich brauche meinen geregelten Tagesablauf: früh aufstehen, abends zeitig ins Bett, geregelte Essenszeiten. Das wäre mit einem 19-jährigen im Haus kaum möglich. Aber ich verwöhne ihn nach Strich und Faden, wenn er mich besucht!“ Nur die vielen Treppenstufen in ihrem derzeitigen Reihenhaus machen ihr noch zu schaffen, aber dafür ist die Lösung schon im Bau.

„Wer loslässt bekommt auch neue Chancen“

Ihren neuen Lebensgefährten hat Margit schon in der Klinik kennengelernt. „Erst nur freundschaftlich, aber nachdem ich ein halbes Jahr hier in Schwaben gelebt habe, wurde es langsam ernst“, freut sich die gebürtige Kaiserslauterin. Seit über ein Jahr suchen die beiden mit Hündin Ami nach einer gemeinsamen Bleibe: „Möglichst ohne Stufen und natürlich hundefreundlich. Keine leichte Aufgabe“, erklärt Margit. Nun bauen die drei kurzerhand selbst!

Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Partnerseiten: