„Schluss mit dem Verstecken“

Vor fast 10 Jahren wurde bei Timo Morbus Parkinson diagnostiziert – mit Anfang Dreißig. Es begann mit einem Zittern in der rechten Hand des inzwischen 40-jährigen. Es folgte ein sozialer Rückzug, seine Ehe scheiterte, viele vermeintliche Freundschaften zerbrachen. Heute jedoch geht Timo offensiv mit seiner Erkrankung um, engagiert sich für die Parkinson-Selbsthilfe und hat gerade wieder geheiratet.

„Man muss Vertrauen können“

Parkinson-Patienten haben bei einer schlecht eingestellten Medikation manchmal mit schweren Nebenwirkungen zu kämpfen: Depressionen, Alpträume, Halluzinationen, Suchterkrankungen. So ging es auch dem zweifachen Vater. Besonders wichtig ist Timo daher: „Als Parkinson-Patient braucht man einen Arzt, dem man vertraut und mit dem man über alles reden kann. Wirklich über alles!“

„Parkinson ist keine Alte-Leute-Krankheit!“

Die meisten Menschen denken bei Parkinson an alte, zitternde Leute. „Sogar bei Ärzten habe ich das persönlich erlebt“, berichtet Timo. Er engagiert sich in der Selbsthilfe, leitet Workshops und hält Vorträge. Sein wichtigstes Ziel: zu vermitteln, dass es auch viele junge Erkrankte gibt. Wie bei Timo selbst treten bei etwa 8-10 Prozent der Betroffenen erste Symptome bereits vor dem 40. Lebensjahr auf – sogar Jugendliche können schon betroffen sein.

„Der Schock meines Lebens“

Parkinson wird oft mit dem sichtbaren Zittern gleichgesetzt. Weniger bekannt sind Muskelsteifheit und Bewegungsverlangsamung. Schlimmstenfalls kommt es zum „Freezing“ – kompletter Bewegungs-losigkeit. Timo ist das mitten auf der Straße passiert. Die Ampel schaltete auf rot, seine Beine waren wie am Boden festgefroren. „Alle haben gehupt, ich wurde angepöbelt, ob ich schon mittags betrunken sei. Aber ich konnte mich einfach nicht mehr bewegen.“ Zum Glück hat eine ältere Frau, deren Ehemann ebenfalls an Parkinson erkrankt ist, die Situation erkannt und Timo geholfen.

„Viele können mit Parkinson nicht umgehen"

Timo brauchte eine Weile, um mit seiner Diagnose klarzukommen. Als er sich stark genug fühlte, hat er Freunde und Bekannte zu einem Grillfest eingeladen, um ihnen von seiner Krankheit zu erzählen. Rund ein Viertel der Anwesenden ist einfach aufgestanden und gegangen. „Das war schrecklich für mich. Inzwischen denke ich, da war bei vielen wohl Angst vor dem Unbekannten dabei“, blickt Timo zurück. Heute steht niemand mehr auf, wenn er bei einem Fest am Grill steht. Ganz im Gegenteil: Durch sein Selbsthilfe-Engagement ist er bekannt und beliebt. Vor einem Jahr ist er umgezogen, im neuen Ort wird er trotz seiner Krankheit voll akzeptiert.

„Ich mache etwas gleich – oder gar nicht“

Timo plan nicht mehr so viel wie früher: „Durch die Krankheit bin ich oft eingeschränkt. Umso wichtiger ist es mir geworden, Dinge sofort in Angriff zu nehmen, wenn es mir gut geht.“ So auch die Hochzeit mit der neuen Frau an seiner Seite. Nach fünf gemeinsamen Jahren haben sie im August 2016 eine große Trachtenhochzeit in einer Scheune gefeiert.

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